bauhaus
imaginista
●Edition 2: Moving Away
Sep. 12–Nov. 30 2018
Ankündigung

Moving Away: The Internationalist Architect, Moskau

  • Garage Museum of Contemporary Art
  •  
  • Goethe-Institut Moskau

Hannes Meyer, Ohne Titel, ca. 1925–26, gta-Archiv / ETH Zürich, © Erben nach Hannes Meyer.

Während seines gerade einmal 14-jährigen Bestehens war das Bauhaus (1919–33) wohl eines der aktivsten Mitglieder der internationalen Architekturmoderne. Der erste Direktor der Schule, Walter Gropius trug aktiv dazu bei, ein Netzwerk moderner Architekten zu knüpfen, das sich über Europa hinaus bis in die Vereinigten Staaten von Amerika zog, genauso wie auch der dritte und letzte Bauhaus-Direktor, Ludwig Mies van der Rohe. Hannes Meyer, der zweite Direktor des Bauhauses, war dagegen in stetigem Dialog mit der sowjetischen und lateinamerikanischen Avantgarde.

Hannes Meyer & Hans Schmidt, Schweizer Städtebauer bei den Sowjets, 1932, Hannes Meyer Nachlass, gta Archives / ETH Zurich.

Die Moskauer Station der Ausstellung bauhaus imaginista: Moving Away. The Internationalist Architect geht am Beispiel von Leben und Werk ehemaliger Bauhaus-Lehrer*innen und Studierenden in Moskau den komplexen Zusammenhängen zwischen dem Bauhaus und der Sowjetunion nach. Sie widmet sich insbesondere einer Reihe von Graduierten und Studierenden, die 1930 dem zweiten Direktor des Bauhauses, dem Architekten Hannes Meyer, in die Sowjetunion folgten: dem Architekten Philipp Tolziner, der schließlich sein ganzes Leben in Moskau verbringen sollte, dem Architekten und Stadtplaner Konrad Püschel, und der Architektin Lotte Stam-Beese die erste Frau, die in der Bauabteilung des Dessauer Bauhauses studierte

Heute werden ihre privaten Nachlässe an verschiedenen Orten aufbewahrt: Im Bauhaus-Archiv Berlin, im Archiv der Stiftung Bauhaus Dessau, im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt/Main (DAM), im Institut für Geschichte und Theorie der Architektur an der ETH Zürich (GTA) und im Nederlands Architectuurinstitut in Rotterdam. Die Nachlässe verfügen über je eigene Systematiken und Geschichten. An ihnen kommen nicht nur Auswahlkriterien und Machtstrukturen des Sammelns, sondern auch subjektives Erinnern und der unvollständige, prekäre Status des Hinterlassenen zum Ausdruck. Über Fotografien, Briefe, Collagen, Seiten aus Sammelbüchern, Diagramme, Manifeste, Architekturzeichnungen und Stadtpläne erschließt sich das Verhältnis, das die Architekt*innen zum Bauhaus Dessau, zur Sowjetunion und zu kommunistischen und sozialistischen Idealen unterhielten. Erkennbar werden unterschiedliche Ansätze zu einer persönlichen und kollektiven Geschichtsschreibung, zur Gedächtnisbildung, zur Ausformung von Ideen für kollaborative Praktiken, zur Auseinandersetzung mit migrantischen Erfahrungen, wodurch persönliche Aspekte modernistisch-utopischer Designgeschichten zutage treten.

Für die Ausstellung im Garage Museum wurden zeitgenössische Praktiker*innen dazu eingeladen, auf diese persönlichen Archive zu reagieren und Lektüren des Materials zu produzieren, durch die sie sich in Beziehung zu dem sozialistischen Hintergrund der Architekt*innen und zu deren Arbeit in der Sowjetunion setzen. Jede/r der Eingeladenen wird den Entwurf einer je eigenen Kontextualisierung archivalischen Wissens präsentieren. Diese unterschiedlichen Blickwinkel auf das Archiv korrespondieren mit dem subjektiven Charakter des Geschichtenerzählens, wie es von den Bauhaus-Architekt*innen selbst betrieben wurde.

Mit Antworten auf die Vorgaben des Archivs wurde eine internationale Gruppe beauftragt, die sich mit geopolitischen sowie sozial- und designgeschichtlichten Aspekten auseinandersetzt. Dazu gehören die Künstlerin Alice Creischer, die Theoretikerin Doreen Mende und die Forscher*innen Tatiana Efrussi, Daniel Talesnik und Thomas Flierl. Die Ausstellung wird sich aus diesen Antworten, aus Materialien, die durch die Lektüren der Teilnehmenden zustande kommen, sowie auch aus von den Kurator*innen ausgewähltem originalem Archivmaterial zusammensetzen. Die Architektur- und Designgruppe Kooperative für Darstellungspolitik wird beratend am Ausstellungsdesign mitwirken.

Im Rahmen des öffentlichen Ausstellungsprogramms wird die Künstlerin Wendelien van Oldenborgh ihre Rechercheergebnisse zu einem neuen Forschungsauftrag vorstellen, der sich Leben und heutigem Nachleben von Lotte Stam-Beese widmet, die nach Umsetzung ihrer Ideen in Orsk 1935 aus der Sowjetunion in die Niederlande ging, wo sie wegen ihrer Pläne zum Wiederaufbau Rotterdams nach dem 2. Weltkrieg berühmt wurde. Diese Forschungsarbeit soll 2019 zur Jahrhundertausstellung im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) fertiggestellt sein.


Unbekannter Fotograf, Mitglieder der Hannes Meyer Gruppe in Moskau (Lusja Petrowskaja, Konrad Püschel, Tibor Weiner), 1932, Stiftung Bauhaus Dessau.

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It is quite hard to know where to start with Hannes Meyer in Moscow. It’s hard because, while there is plenty of documentation on him and his team in the Bauhaus Brigade—as well as other Western designers and architects (of these, Ernst May is at least as significant as Meyer, as is the Dutch designer Mart Stam, and each went on to produce more substantial work than Meyer after their respective Russian episodes)—the legacy of his work there presents certain difficulties in evaluating. → more

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●Translation
The Moscow Bauhaus exhibition catalogue (1931)

When Hannes Meyer had emigrated to the Soviet Union in 1930, one of the first things he did was organizing an exhibition about "his" Bauhaus. As early as in February 1931 Meyer had the exhibition “Bauhaus Dessau. Period of Hannes Meyer’s directorship. 1928-1930” already ready to receive the Moscow public. It was shown at the renown State Museum of New Western Art. This is the first English translation of the exhibition catalogue. → more

●Artistic Work
To Philipp Tolziner

For the exhibition bauhaus imaginista: Moving Away. The Internationalist Architect at Garage Contemporary Museum of Art, the contemporary artist Alice Creischer has been invited to respond to the personal archive of Bauhaus architect Philipp Tolziner. She produced reading of material relating to the architect’s socialist backgrounds and his work in the Soviet Union.  → more